1.Odyssey complex

Konzept, künstlerische Leitung: Felix M. Ott

17.01.2012—Salzburger Nachrichten,

„..die Solo-Odyssee-Paraphrase von Felix Mathias Ott war die Überraschung des Festivals. Wie da aus einem komisch beiläufigen Kommentar durch verblüffende Effekte wie einem echten Gewitterplatzregen mit Licht und Filmsequenzen sich der Sprecher in den schiffbrüchigen Helden verwandelt, wie die Ebenen von Spiel und Material sich durchdringen, immer nur auf einen Darsteller fokussiert: Das ist, erst in Entwicklung, schon ein starkes Stück.“

25.08.2012—Deutschlandradio Kultur—Durch die Stadt getanzt—Elisabeth Nehring

„Der junge Felix M. Ott zeigte die Uraufführung von „Odyseey Complex“, inspiriert von Homers Odysee – eine Arbeit, in der Banales und Poetisches, Täuschung und Authentisches, Live-Performance und Film überraschende Allianzen eingehen und einander unerwartet abwechseln. Aus einer etwas holprigen Lecture-Demonstration von Felix M. Ott entsteht – ganz plötzlich – eine dramatische Szenerie, in der er als junger Held auf einem Schiff gegen Wind und Wellen kämpft. Poetisch und spannend ist es zu sehen, wie dieser junge Choreograph mit wenigen, effizient eingesetzten Bühnenmitteln ganze dramatische Szenerien entwirft – sowohl auf der Bühne als auch im Film -, hinterher wieder verwirft und ins Alltägliche, Banale zurückkehrt! „Odyseey Complex“ erinnert – trotz einiger Längen und Holprigkeiten – schon fast an die besten Arbeiten des kanadischen Regisseurs Robert Lepage. ..“

2013 Tanz Jahrbuch —„Hoffnungsträger“ Felix Mathias Ott—Arnd Wesemann

Das geht ja nicht. Da hat er jahrelang in Berlin Choreograpie studiert, und nun erklärt er uns wie Hollywoodfilme funktionieren. Ein Tag beginnt wie jeder Tag. Plötzlich passiert ein Unglück, irgend was Unverhofftes geschieht. Schon geht’s vom Alltag mittenmang ins Inferno. Hollywood schaute sich das bei Homer ab, bei Odysseus, der Troja erledigt hat. Und nach getanem Job nach Hause will. Aber alles geht schief, nichts mehr läuft nach plan. Die Welt bricht über Felix Mathias Ott zusammen. Was in seinem Solo „ Odyssey Complex“ als nette Bühnen-Lecture beginnt, schwemmt in Sekunden später durch 4000 Liter Wasser aus der Regenmaschine in die Odyssee. Ott rettet sich auf den Tisch, der weiße Flipchart wird zum Segel, mit einem Mopp rudert er vom Zyclopen zu den Sirenen. Sein Gegner bleibt: die Bühneselbst. Eine Ladung Sand kippt vom Himmel, und steile Zuschauerränge sind das Gebirge, das er-mit dem Tisch als zusätzlichem Gegengewicht- Reihe für Reihe mühsam erklimmt. Ungefähr hier ist das Publikum das ihm solidarisch zum Gipfel hoch hilft, endgültig aus dem Häuschen. Denn erstens macht Ott es tatsächlich mit so viel Suspense und Humor wie ein besserer Hollywoodfilm, zweitens wird dieser von Spannung gut getarnte Körpereinsatz nie zur eitlen Selbstzweck- Choreographie, drittens ist der Kerl, der aus einer Schauspielfamilie stammt, auf der ein echtes Vollblut. Viertens, und vielleicht am sympathischen, ist der Umstand, dass er dort zwar alle Register zieht, auch Film und viel Musik beimischt, sich aber keine Sekunde um irgendwelche dos and don’ts der zeitgenössischen Diskurspolizei schert. Nichts kam in dieser Saison kräftiger, komischer, kribbliger daher- und das ist sein Problem. Welches Theater will schon etwas zeigen, das wirklich Spass macht und dabei noch richtig intelligent ist?

01.11.2014—rbb Kulturradio—Frank Schmidt

Das Schicksal des Odysseus nach dem Sieg der Griechen über Troja, seine jahrelange Irrfahrt bis zur späten Heimkehr nach Ithaka – dies steht im Mittelpunkt des Tanz- und Performance-Stückes „Odyssey Complex“ von Felix Mathias Ott. Die Premiere der überarbeiteten Wiederaufnahme war in den Uferstudios zu sehen, zurEröffnung des Open-Space-Festivals der Berliner Tanzfabrik, mit dem neue Positionen in den Darstellenden Künsten präsentiert werden sollen. Gleichnishafte Bühnen- und Filmbilder Felix Mathias Ott nimmt die Odyssee als Anregungs- und Anknüpfungs-Material, erhat eine Allegorie inszeniert auf der Suche nach Anschlüssen von der griechischen Mythologie zu unserer Neuzeit. Die Abenteuer der 10jährigen Irrfahrt, die Begegnungen mit riesenhaften Kyklopen, singenden Sirenen und tödlichen Seeungeheuern und den Besuch im Hades übersetzt Ott in gleichnishafte Bühnen und Filmbilder. Der Solo-Performer auf der Bühne und der Schauspieler im Videofilm sind Gestalten unserer Gegenwart und wie Odysseus Verlorene. Sie treiben durch Raum und Zeit und Traumwelten, die ihnen kein Heim bieten. Sie kämpfen wie Odysseus gegen die Götter nun gegen ein Schicksal, das sie nicht verstehen, beherrschen oder lenken können. Sie sind in eine Welt geworfen, die ihnen verführerisch und feindlich erscheint, so begegnet dem Filmhelden erst eine mysteriöse, schöne Geisha, dann fällt ihm fast ein Auto vom Himmel auf den Kopf. Surreale Traum- und Albtraumwelt Die Verbindung der beiden Erzählebenen, die der Bühnen- und die der Filmwelt, sonst auf der Theaterbühne meist problematisch und wenig fruchtbar, ist hier sinnvoll und sie gelingt, Felix Mathias Ott hat beides parallel entwickelt. Bühnen- und Filmhandlung gehen ineinander über, lassen im Einklang eine surreale Traum- und Alptraumwelt entstehen. Zudem verwendet Ott Film-Techniken auch in der Bühnenfassung: Montage, Schnitt, Spotlights, szenischen Sound, Überblendungen oder Handlungssprünge. Gewitter und Sturm, die Odysseus in die Ferne treiben, donnern hier aus den Lautsprechern und werden vom Ventilator erzeugt, das Wasser prasselt aus Schläuchen von der Bühnendecke, die kleine Leinwand, die soeben noch für ein Schaubild vom Overheadprojektor gebraucht wurde, mit dem die Typologie einer typischen Heldengeschichte in der Mythologie und im Hollywoodfilm erklärt wurde, diese kleine Leinwand wird zum Bootssegel, ein Schrubber wird zum Ruder, die Zuschauerränge werden zum Gebirge, das erklommen werden muss. Die einfachen Mittel zur Erzeugung von Illusion liegen geheimnislos offen vor dem Zuschauer und es ist seiner Phantasie überlassen, in der Leinwand das Segel zu erkennen und im Schrubber das Ruder. Ott vertraut dem Illusionszauber des Theaters und nutzt das Medium Film zur Erweiterung des Erlebnis- und Assoziationsraums. Der Artist und Performer Eicke von Stuckenbrok Der Soloperformer auf der Bühne ist Eicke von Stuckenbrok, ein ausgebildeter Artist und Akrobat, der mit seinen Solos und Gruppenstücken in Varieté-Shows, im Chamäleon oder im Wintergarten aufgetreten ist, ein junger Mann, 25 Jahre alt, der schon eine hoffnungsvolle nationale wie internationale Karriere als Artist hinter sich hat, den es aber schon immer zu Schauspiel und Tanz gezogen hat. Er hat sich leider im letzten Jahr bei einem Unfall schwer verletzt, die linke Schulter und der linke Arm sind beeinträchtigt. Aber gerade dadurch entwickelt er eine enorme Präsenz, seine jugendliche Leichtigkeit, sein Charme und seine Natürlichkeit als Darsteller sind nun auch durch Verletzlichkeit und Verhängnis geprägt. So traurig seine Verletzung für ihn selbst vielleicht sein mag – in dieser Rolle des Verlorenen, vom Schicksal geschlagenen und um seine Zukunft kämpfenden Menschen, ist er als neuer Performer in dieser überarbeiteten Wiederaufnahme sehr überzeugend. Verführung zur Imagination Felix Mathias Ott, der ein Grenzgänger ist, ausgebildeter Bühnenbildner, Tänzer, Choreograph, Video-Regisseur und Schauspieler in Theater und Kinofilm, er hat eine sehr ungewöhnliche Inszenierung entworfen, weit entfernt von dem in der Tanz- und Performance-Szene Üblichen. Er erzählt bildhaft und poetisch eine greifbar konkrete Geschichte, die zugleich weit über sich hinausweist, in Daseins- und Sinnfragen, er setzt uns den Elementen aus und konfrontiert uns mit Verlorenheit und Angst, Einsamkeit und Grausamkeit. Ott verführt zur Imagination, zum Verlassen der Realität und zum Betreten einer Welt der Fiktion, er hat hier einen enorm suggestiven akustisch-visuellen Bild- und Klangraum entworfen. Und er fordert emotionale, nicht intellektuelle Reaktionen heraus: man befürchtet das Ertrinken des Filmschauspielers beim Schwimmen im nachtdunklen See, ängstigt sich vor dem einäugigen Mann im Film und freut sich, dass der durchnässte Eicke von Stuckenbrok auf der Bühne ein Feuer entfachen kann, obwohl man sieht, dass das nur eine kleine rote Lampe ist. Dieses Stück ist beängstigend, berührend, spannend und komisch, ein Universum für sich. Ein sehr guter Auftakt für das Open-Space-Festival der Tanzfabrik.

2.The Iliad

Konzept, künstlerische Leitung: Felix M. Ott

20.02.2015—rbb Radio Kultur—Frank Schmidt

„Iliad“ – Performance mit heldenhaften Heimwerkern Iliad von Felix M. Ott, angeregt von Homers Ilias, ist nach Odyssee Complex das zweite Stück, in dem sich Ott mit der griechischen Mythologie beschäftigt. Es ist eine Art Baustellen- und Werkstatt-Performance. Zwei kräftige Männer in Jeans und Muscleshirt zerhacken mit einer Axt einen Baumstamm, zersägen ein Holzstück und funkensprühend Eisenstangen. Sie zerlegen mit elektrischen Drehschraubern die große Bühnenrückwand und setzen die Einzelteile zu neuen Wänden oder großen Holzkisten zusammen und zimmern ein Dach mit Neonröhren. Zwei Heimwerker in perfekt synchronisierten Bewegungen, sehr konzentriert, ernst und emsig bei der Arbeit, zu der Licht, Sound, Musik perfekt abgestimmt sind. Dies könnte das Entstehen eines Bühnenbilds in einer Theaterwerkstatt sein oder gleichnishaft die Vorarbeiten zum Bauen des Trojanischen Pferdes. Denn die beiden widmen sich ihrer mühsamen Arbeit wie griechische Helden: voller Glauben, Hingabe und Kraft, voller Ehrgeiz und mit eisernem Willen, sie opfern sich einer Idee voller Härte gegen sich selbst, sie zerstören und erschaffen und gestalten die Welt. Untergang und Neuanfang sind ihr Schicksal, wie das der Helden im Kampf um Troja. Eine beeindruckende Performance mit subtilem Humor und starken Theatereffekten und sehr präzise choreographiert.

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PNEU 16_Press Felix M. Ott